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Wandlungen vom Gegenständlichen
zum Abstrakten
Freundeskreis Schloß Bevern am 19.08.2001
Dr. Ulrike Müller-Heckmann
Kunsthistorikerin
Hamburg
Der Titel der Ausstellung stellt die beiden großen polaren
Gegensätze der künstlerischen Gestaltung gegenüber.
Mit dem Begriff “Wandlungen” wird zugleich auch ein Prozeß,
ein künstlerischer Weg thematisiert. Peter Roselieb bewegt sich
zwischen den Polen Abstrakt und Gegenständlich, für ihn
sind diese Begriffe keine stilistischen Dogmen, sondern seine Bilder
zeigen die vielfältige Verwandlung des Bildnerischen. Darin
wird zugleich deutlich, dass Gegenständliches und Abstraktes
keine Gegensätze sein müssen, die sich ausschließen,
sondern sie sind Grundgegebenheiten jeder künstlerischen Gestaltung.
Bilder malen heißt immer: Anverwandlung und Verwandlung von
Welt- und Wirklichkeitserfahrung, es ist subjektives Neuschaffen,
schöpfen von Ausdruck, Stimmung, Harmonie, Form und Gehalt.
Das fertige Bildganze ist zuvor in einem komplexen
Prozeß entstanden:
aus der Verbindung der inneren Vorstellung des Künstlers und
der äußeren Mittel Farbe, Form, Pinsel, Papier. Gefühl
und Intellekt. Kopf und Hand, Erfahrung und Zufall sind die Grundkonstanten
der künstlerischen Gestaltung. Waren frühere Arbeiten gegenständlicher
Art mehr vom Kopf her bestimmt, so zeigen die vor allem im Jahr 2000
entstandenen Monotypien eine geglückte Befreiung vom Gegenständlichen
die überzeugend ist. Peter Roselieb hat es die “Befreiung
zum eigentlichen Ausdruck” genannt.
Ein wichtiger Schritt in der künstlerischen Entwicklung sind
die geometrischen Kompositionen auf weißem Grund. Sie wirken
wie ein extremer Gegenpol zu den surrealen Nitro-Frottagen. Sie sind
strenge Exerzitien, eine Reduktion auf die Grundlagen der Gestaltung
Linie und Fläche. Was auf den Nitro-Frottagen verschwimmt und
verdämmert, ist hier in scharfe und klare Harmonien gebracht.
Es sind zarte, labile Konstruktionen aus dünnen Linien, Kreisen,
Dreiecken und Quadraten, die auf der weißen Fläche ihren
ausgewogenen Tanz zeigen: immer in Bewegung und zugleich in perfekter
Ruhe. Es sind diese Blätter, die wohl am ehesten die Auseinandersetzung
mit dem Großvater und Maler “Rudolf Jahns” zeigen
- und doch sind sie im Werk von Beiden notwendige Schritte auf dem
Weg zum eigenen Ausdruck. Es ist eine Art Innehalten, ein Sich-Versichern
der Grundlagen der Harmonie., die wohl tut in ihrer Ruhe und Kraft
gibt, um wieder zum anderen Pol, zur befreiten Farbe und Form zurückzukehren.
Es sind die Monotypien in denen Peter Roselieb
zu seinem eigentlichen künstlerischen Ausdruck findet. Auch hier ist es wichtig, zunächst
auf die Technik hinzuweisen, auf die besondere Vorbereitung des Malgrundes,
der zum entscheidenden Träger der Bildaussage wird. Schon hier
wird ein struktureller Charakter festgelegt. Luftig-verschwebend,
wellenartig-dynamisch, organisch-wachsend. Auf diesen Malgrund werden
weitere Farben in einem zweiten oder dritten Druck hinzugefügt,
oder es werden präzise Farbflächen und Linien hineingezeichnet
oder collagiert. Immer ist es ein spannungsreicher Dialog zwischen
dem organischen Grund und den hinzukommenden Farbformen, die den
Charakter, die Aussage eines Blattes bestimmen. Sie stehen sich gegenüber,
sie kommunizieren durch ihren Farb-Form-Ausdruck miteinander, sie
umspielen sich, weichen einander aus, nähern sich an. Hier wird
die Ausdrucksmöglichkeit abstrakter Gestaltung deutlich - nicht
mehr abbildend, nachbildend, sondern unmittelbar expressiv werden
die Möglichkeiten von Form und Farbe anschaulich. So wie in
der Musik die Klänge und Töne unmittelbar wirken und nichts
nachahmen müssen. Viele Bilder erhalten einen musikalischen
Charakter, erinnern an Klangfarben, Klangteppiche. Freie Seelenlandschaften
aus Farbe und Form sind zu finden und ermöglichen es dem Betrachter
sich dem Abenteuer der abstrakten Gestaltung hinzugeben.
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